Spektrum der Komplikationen nach Behandlung mit injizierbaren Füllmaterialien

Dr. Luitgard G. Wiest, München

Zusammenfassung:

Mit der Zunahme der injizierbaren Füllmaterialien auf dem Markt und der wachsenden Zahl von Patienten, die nach Verjüngungsmaßnahmen suchen, ohne ein Operationsrisiko eingehen zu wollen, müssen Arzt und Patient die Risiken der einzelnen Produkte genauestens kennen.

Prinzipiell können die Füllmaterialien in resorbierbare (vom Körper aufnehmbare) und nichtresorbierbare Materialien eingeteilt werden. Alle Füllmaterialien zur Faltenbehandlung können Nebenwirkungen verursachen. Die auftretenden Nebenwirkungen und Komplikationen können entweder durch das injizierte Produkt, durch die Behandlung selbst oder durch die angewendete Injektionstechnik verursacht werden. Die meisten Nebenwirkungen sind mit der Behandlung (Injektion) verbunden und sind von vorübergehender Natur. Vereinzelt können in größeren zeitlichen Abständen zur Injektion, auch noch nach Jahren, Spätreaktionen auftreten, als Ausdruck einer möglichen immunologischen Reaktion, bei der das nicht resorbierbare Füllmaterial als Fremdkörper vom Gewebe erkannt wird. Histologisch werden hierbei Fremdkörpergranulome (knotenartige Gewebeneubildungen) gesehen, die eine große therapeutische Herausforderung darstellen.Die Behandlung ist effektiver, wenn dabei die möglichen immunologischen Eigenschaften des verwendeten Produkts berücksichtigt werden.

Abstract:

With the increase in products of injectable filling agents available and the rise in number of patients seeking facial rejuvenation with reduced risks compared with invasive surgery, it is crucial that both the physician and patient are fully cognizant of the risks involved with each product. Each of the filling agents can cause adverse reactions. The filling agents can be divided in resorbable and non-resorbable, permanent products. Reactions and side effects can be attributed to the agent injected, the procedural technique and the procedure itself.

Most of these adverse reactions are procedure related, mild and transient, whereas delayed adverse effects may appear after years as an immune-mediated reaction related to bioimplants that are permanent and serve as foreign body. Histologically these reactions may appear as foreign body granulomas which are a great challenge for adequate treatment. The treatment will be more effective if the treatment regimen is chosen considering the immunological properties of the filling agent used to cause the foreign body granuloma.

Neue Strategie zur Erfassung intradermaler Reaktionen nach Implantation resorbierbarer Dermalfiller

Dr. A.Z. Taufig1 · Dr. A. Szöke2 · Dr. W. Kühnel3

1 Praxisklinik für Plastische Chirurgie, Köln

2 Institut für Pathologie, Köln-Deutz

3 Institut für Anatomie, Universität zu Lübeck

Ziel:

Das primäre Ziel war die frühzeitige Erfassung intradermaler (innerhalb der Haut) Reaktionen nach Implantation verschiedener resorbierbarer Dermalfiller mittels histopathologischer Nachweismethoden. Das vorrangige Interesse galt der Entwicklung einer Strategie, die einen Beitrag zur Qualitätssicherung von Dermalfillern leistet und neue Perspektiven für histologische Untersuchungen an humanem Hautgewebe eröffnet.

Patienten, Material und Methoden:

Es wurden vier Patientinnen rekrutiert, die sich zur Exzision (Gewebeentfernung) der Unterbauchfettschürze entschlossen hatten. Den Probanden wurden 30 Tage vor der Operation sowohl rechts- als auch linksseitig der Bauchschürze jeweils elf verschiedene, resorbierbare Dermalfiller (je 0,2 ml) in markierte Hautareale injiziert. Bei drei Probanden wurden – zuerst linksseitig nach 14 Tagen sowie rechtsseitig nach 30 Tagen – jeweils zwölf Gewebsproben aus den bezeichneten Hautregionen entnommen. Bei einer Patientin erfolgte die Entnahme bereits nach vier Stunden. 71 Biopsien wurden an ein pathologisches Institut weitergeleitet, histologisch aufbereitet und nach drei unterschiedlichen Färbungen mikroskopisch begutachtet sowie Licht- und polarisationsoptisch untersucht.

Ergebnisse:

Nach Implantation elf verschiedener Dermalfiller verweisen erstmalig zwei Hyaluronsäure-Filler, Belotero® Basic und Belotero® Intense, auf einen histomorphologisch entzündungsfreien Normalbefund. Bei beiden Produkten wurde die geringste immunologische Reaktion und die gleichmäßigste Verteilung des Füllmaterials nachgewiesen. Im Gegensatz dazu provozierten neun Dermalfiller eine pathologisch auffällige Immunantwort und zeigten graduell unterschiedliche chronische Entzündungen am Injektionsort sowie meist unregelmäßige, teils knotige Fremdmaterialeinlagerungen.

Schlussfolgerung:

Mit den erstmalig an humanem Gewebe von Unterbauchfettschürzen durchgeführten histopathologischen Untersuchungen konnte eine neue Strategie entwickelt werden, die eine frühzeitige Erfassung intradermaler Reaktionen nach Implantation dermaler Filler erleichtert. Zudem kann ein hochgradiger Schutz der Probanden gewährleistet und somit ein Beitrag zur Qualitätssicherung geleistet werden. Die frühe Erfassung zellulärer Immunreaktionen erweist sich als ein relevantes Kriterium zur Differenzierung von Füllmaterialien und eröffnet neue Perspektiven zur Bewertung früher histologischer Analysen.

A new strategy to detect intradermal reactions after injection of resorbable dermal fillers

Purpose:

Our investigations were aimed at early histopathological detection of intradermal reactions following implantation of various resorbable dermal fillers. The main interest was to develop a new strategy that will contribute to the quality assurance of dermal fillers and will put a new perspective on histological examinations in human skin.

Patients, material and methods:

Four patients who were scheduled for excision of abdominal fat aprons were recruited. At 30 days prior to surgery, 11 different resorbable dermal fillers (0.2 ml) were injected into the abdominal skin (both left and right) of each patient. In three patients, 12 skin biopsies per patient were taken from the designated skin areas on days 14 (left side) and 30 (right side) post injection. In one patient, biopsies were already obtained 4 h after the injections. In all, 71 samples were transferred to a pathology laboratory, where they were analysed, stained with three different stains and submitted to light-microscopy and polarized light.Results. Our results are the first to show a histomorphological reaction free of inflammation for two hyaluronic-acid fillers, Belotero Basic and Belotero Intense. The findings for both products showed the merest hint of immunological reactions and the most homogenous distribution in the tissue. In contrast to these results, 9 of 11 resorbable dermal fillers provoked a pathological immunological response with varying degrees of chronic inflammation at the injection sites and mostly irregular, sometimes nodular distribution of the material. It is reasonable to assume that fillers that provoke lesser immunological reactions will be more biocompatible than substances, which cause chronic inflammatory responses.

Conclusion:

To our knowledge, we are the first to evaluate skin reactions to injections of dermal fillers into the skin of human fat aprons in humans in vivo, using histopathological methods. The new strategy facilitates early detection of potential inflammatory responses to dermal fillers, offers a high degree of protection for probands and contributes significantly to the quality monitoring of dermal fillers. The early detection of intradermal reactions seems a relevant criterion for differentiation of filling materials with a new perspective on the relevance of early histological analyses.

Quelle:

J Ästhet Chir 2009 · 2:29–36

DOI 10.1007/s12631-009-0024-0

Online publiziert: 30. Januar 2009

© Springer Medizin Verlag 2009

Auf der Suche nach dem ultimativen Filler

Dr. J. Reinmüller

Klinik am Sonnenberg, Wiesbaden

Zusammenfassung:

Filler sind Implantate, die der Volumensubstitution, z. B. von Weichteilen und Hautfalten, dienen. Einerseits sollen sie permanent wirken, andererseits möglichst keine Nebenwirkungen hervorrufen. Da es sich jedoch bei Fillern um Fremdkörper handelt, die invasiv eingebracht werden, sind sie mit nicht kalkulierbaren Risiken für die Zukunft behaftet. Bei resorbierbaren Materialien ist die Sicherheit höher, der Effekt jedoch begrenzt. Der vorliegende Beitrag gibt einen Überblick über die Suche nach dem „ultimativen“ Produkt und die historische Entwicklung der Filler – von frühen Versuchen mit Wachs, über Silikonöl und Kollagen bis zu den heute verwendeten Hyaluronsäure-basierten Fillern. Deren unterschiedliche Generationen, ihre Struktur und Funktionsweise sowie weitere innovative Entwicklungen auf Hyaluronsäure-Basis mit hoher Biokompatibilität werden hier beschrieben, gleichzeitig wird aber auch auf ihre Grenzen hingewiesen.

In search of the ultimate filler 

Abstract:

Fillers are implants which serve as volume substitution for soft tissue and skin folds. They must function permanently and also cause no side effects. However, as fillers are foreign bodies which are invasively introduced, they are associated with incalculable risks for the future. The safety of resorbable materials is higher but their effect is limited. The present article gives a review of the search for the ultimate product and the historical development of fillers, from early attempts with wax through silicon oil and collagen up to the presently used hyaluronic acid-based fillers. The different generations, their structure and mode of function as well as further innovative developments based on hyaluronic acid with high biocompatibility are described as well as their limits.

Quelle:

J Ästhet Chir 2009 · 2:9–14

DOI 10.1007/s12631-008-0011-x

Online publiziert: 22. Januar 2009

© Springer Medizin Verlag 2009